Die illustrierten Pergamentdokumente aus der Sammlung des Barons Louis-Numa de Salis

Das Stadtarchiv von Metz schenkte uns erneut sein Vertrauen und beauftragte uns mit der Bearbeitung einer Reihe farbenprächtiger Pergamente. Die Dokumente stammen aus der Sammlung des Barons Louis-Numa de Salis, eines bedeutenden Sammlers von Handschriften und Urkunden, der am 27. Januar 1803 auf Château d‘Escafotte geboren wurde und am 2. Oktober 1880 in Beaumarais starb. Nach dem Tod seiner Witwe wurde der gesamte Bestand der Stadt Metz vermacht, die dieses reiche Kulturerbe erschließen möchte, insbesondere sieben Pergamente aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, darunter:

  • Adelsbriefe und Einbürgerungsurkunden, die unter anderem die Adelung von Pierre Petit und Claude Calot durch den Herzog von Lothringen bestätigen;
  • Eine Ritterurkunde von Ludwig IX;
  • Adelung von Pierre de Bassey durch Karl V.
Mittelalterliches Siegel mit geflochtener Siegelschnur an einem historischen Pergament

Erhabene Werke

Historisches Pergament mit grünem Wachssiegel in einer maßgefertigten konservatorischen Verpackung
Diese Dokumente sind in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Neben ihrem großen Wert besticht auch ihre Ästhetik. Die Initialen sind sorgfältigst verziert, mit Kronen und Wappen in leuchtenden Farben geschmückt; auch die Titel sind farbig gestaltet, sowohl die Schrift als in einigen Fällen auch der Hintergrund des Titels.
Einige Dokumente sind mit Siegeln aus Papier oder Wachs versehen. Diese Wachssiegel sind grün oder rot. In der Sphragistik, d.h. der Siegelkunde, haben diese Farben bestimmte Bedeutungen: So bedeutet beispielsweise ein grünes Wachssiegel an roten und grünen Siegelschnüren aus Seide – wie hier zu sehen –, dass das Dokument ewige Gültigkeit besitzt.
Beschädigtes historisches Pergament mit Rissen und Fehlstellen vor der Restaurierung
Farbig illustriertes Wappen auf einem historischen Pergament aus der Sammlung des Barons de Salis

Die Siegelschnüre sind Schnüre aus verschiedenen Materialien, mit denen die sogenannten „Hängesiegel“ an die Dokumente angehängt wurden – im Gegensatz zu direkt auf die Pergamente aufgedrückten Siegeln. Hier sind mehrere Farben in aufwändigen Webmustern miteinander kombiniert.

Ein besorgniserregender Zustand

Verziertes historisches Pergament mit farbigem Wappen aus dem 16. Jahrhundert
An jedem Dokument sind Flecken, ein Verblassen oder gar ein Verschwinden der bunt verzierten Stellen, Risse und Lücken sowie Knicke zu erkennen, die auf eine ungeeignete Aufbewahrung zurückzuführen sind.
Nach einer Analyse und der Erarbeitung eines spezifischen Verfahrens für jedes Pergament macht sich unsere Restauratorin an die Bearbeitung. Zunächst reinigt sie die Pergamente sorgfältig mit weichen Pinseln und reibt die am stärksten verschmutzten Stellen gezielt ab, wenn diese nicht beschrieben und nicht beschädigt sind. Anschließend kommen die Dokumente in eine Befeuchtungskammer, um sie langsam aufzuweichen. Dabei wird den Häuten kontrolliert Feuchtigkeit zugeführt, um weder das Material noch die Tinten zu beschädigen. Sobald die Dokumente weich genug sind, werden sie zwischen Vliese und Löschpapiere gelegt und leicht beschwert, um sie zu glätten.
Historisches Pergament mit Wappen und Siegelschnur bei der fachgerechten Digitalisierung
Die beschädigten Stellen (Risse und Lücken) werden gefestigt und mit neutralem Japanpapier geeigneter Grammatur und Farbe aufgefüllt.

Die Siegel und Schnüre sind weniger beschädigt als die Pergamente, so dass eine einfache Reinigung ausreichend ist. Eines dieser versiegelten Dokumente trägt jedoch ein Siegel, das in einer kleinen Zinnkapsel befestigt ist. Die Schnur, die sowohl das Siegel als auch die Kapsel hält, haftet am Boden der Kapsel. Die dadurch erzeugte Spannung führte zum Bruch des Siegels und würde auch jede versuchte Füllung brechen. Obwohl unsere Werkstatt in der Lage ist, die Siegel zu restaurieren, wurde in diesem speziellen Fall aus Sicherheitsgründen beschlossen, nach der Reinigung keine weiteren Arbeiten am Siegel vorzunehmen und stattdessen Maßnahmen zur präventiven Konservierung zu ergreifen: Das Siegel wird durch seine Verpackung vor eventuellen zukünftigen Beschädigungen geschützt.

Stark beschädigtes historisches Pergament mit Fehlstellen, Flecken und verblassten Verzierungen

Eine bedarfsgerechte Verpackung …

Historisches Pergament und Wachssiegel in einer maßgefertigten konservatorischen Verpackung
Damit sind die Arbeiten unserer Teams jedoch nicht beendet: Damit die Dokumente die Zeiten überdauern, müssen sie nach der Digitalisierung optimal verpackt werden. Hier wurden die Urkundenmontagen aus Museumskarton und Leichtschaumplatten angefertigt. Jedes Pergament erhält einen Rahmen aus hellem, neutralem Karton, und die Siegel werden in maßgefertigte Nischen eingebettet, um sie optimal zu schützen. Diese Urkundenmontage wird durch eine neutrale Polyesterhülle ergänzt, so dass die Pergamente und Siegel ohne direkten Kontakt betrachtet werden können – ein ideales Verfahren für Objekte, die für Präsentationen oder Ausstellungen bestimmt sind. Abschließend wird die Verpackung mit einem Deckel mit einem Scharnier aus feinem Gewebe versehen, um sie zu verschließen und das Dokument sicher aufzubewahren.
Grünes historisches Wachssiegel mit roten und grünen Siegelschnüren an einem Pergament
Eine Einzelverpackung ist für die ordnungsgemäße Konservierung versiegelter Pergamente unerlässlich.  Eine derartige Verpackung, die ausschließlich aus neutralen und stabilen Materialien besteht, entspricht somit zu 100 % den Empfehlungen der BNF (Französische Nationalbibliothek) in ihren Richtlinien zur Konservierung und Restaurierung von Siegeln und sphragistischen Objekten in öffentlichen Archiven.
Gebrochenes rotes Wachssiegel mit Schutzkapsel eines historischen Pergamentdokuments

… und eine ebenso bedarfsgerechte Digitalisierung

Historische Pergamenturkunde mit Wappen, Siegelschnur und Hängesiegel nach der konservatorischen Bearbeitung

MEMORIST besitzt eine eigene Werkstatt zur Digitalisierung von Archiv- und Kulturgut, um Ihre Dokumente zum optimalen Zeitpunkt im Restaurierungsprozess digitalisieren zu können.

Die Pergamente wurden zuerst verpackt und dann digitalisiert, um sie möglichst wenig anzufassen.

Die Digitalisierung erfolgte mit einer Auflösung von 300 dpi unter Verwendung eines Spezialscanners für historische Dokumente, wobei ein maßgeschneidertes kolorimetrisches Profil erstellt wurde, um eine perfekte Farbwiedergabe zu gewährleisten. Nicht nur die Vorder- und Rückseiten der Pergamente wurden digitalisiert, sondern auch die Siegel wurden separat fotografiert. Diese erforderten verschiedene Anpassungen hinsichtlich der Belichtung, um die Farben und Details optimal einzufangen.

Schließlich musste während des Digitalisierungsprozesses noch eine letzte Besonderheit berücksichtigt werden: Auf einem der Pergamente befand sich ein hinter der Plica verborgenes Wappen, sodass bei der Aufnahme Glasplatten verwendet werden mussten, um es sichtbar zu machen und gleichzeitig das Pergament zu schützen.

Unsere Werkstatt steht Ihnen für Ihre Projekte zur Restaurierung, Digitalisierung und Aufbewahrung von versiegelten Pergamenten zur Verfügung.

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